Trotz eines bescheidenen Winters in Osttirol, war und ist es immer wieder erstaunlich, welch tolle Skiunternehmungen sich dennoch machen lassen. Unsere (vermutliche) Abschlusstour für diese Saison kann man durchaus in die Kategorie „Besonderheiten“ einordnen. Es verschlug uns, Markus, Flori, Stephan und Stefan, in die Venedigergruppe.

Wir starteten reichlich spät zu unserer Frühsommerunternehmung. Als wir Lienz bei beinahe 30°C am späten Vormittag verließen, ernteten wir mit den Schiern auf dem Autodach etwas verwunderte Blicke. Nicht viel besser erging es uns kurz nach Mittag oberhalb der Johannishütte, wo uns einige Tourengeher entgegen kamen. Sie, bei der Abfahrt – Wir, schwer beladen, in der Mittagshitze beim Aufstieg. Verwunderung hin oder her – unser Vorhaben verlangte einfach eine untypische Startzeit. Wir stiegen auf Richtung Frosnitztörl, und erklommen dort die Friedrich-August-Wand (3.211m).

Wenig später standen wir am Stein am Ferner (3.246m) bevor uns kräftiger Nordwind auf der Kristallwand (3.329m) entgegen blies. Unser Weg führte uns weiter zum Hohen Zaun (3.457m) und zur Schwarzen Wand (3.511m). Dort beschlossen wir, uns für die Nacht, ein Freiluftbiwak auf 3.480m, einzurichten. Den Sonnenuntergang genossen wird auf dem Rainerhorn (3.560m), dem höchsten „reinen“ Osttiroler-3000er. Die Nacht war an diesem Tag kaum zu übertreffen. Ein sagenhafter Ausblick, eine beeindruckende Stimmung und ein unglaubliches Sternenzelt ließen uns in unseren Schlafsäcken bald einschlummern bis wir in den Morgenstunden vom eisigen Nordwind geweckt wurden. Mit etwas steifen Knochen ging es weiter zum Kleinvenediger (3.477m).

Bis dorthin hatten wir keine Menschenseele getroffen. Plötzlich war Jahrmarktstimmung auf der Venedigerscharte. Von der Kürsingerhütte, von der Neuen Pragerhütte sowie vom Defreggerhaus strömten Kolonnen Richtung Venediger. Auch wir erklommen den Großvenediger (3.667m), wobei unser Gipfelaufenthalt aufgrund des erlittenen Kulturschockes sehr, sehr kurz ausfiel. Weiter ging es zum Hohen Aderl (3.504m) und zur Hohen Ader (3.225m), welche wir wieder mutterseelenallein genießen konnten.

Unsere direkte Abfahrtsvariante über die Dorfer Keesflecke versprach Firngenuss der Extraklasse bevor die letzte Steilrinne nochmals einiges an Können abverlangte. Kurz nach 13:00 Uhr erreichten wir wieder die Johannishütte und stellten fest: von zehn Mode-3000er in den letzten 24 Stunden durften wir neun ganz allein, abseits von jedem Rummel und im Einklang mit der Natur erleben. Ein tolles alpines Erlebnis.

Und noch ein andere Traum der Biwaknacht wurde wahr: Das Cordon-Bleu beim Islitzer 🙂

Für die Statistik: 2.250 Hm, 29 km, 26h

(st. st.)

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