Der Andenfrühling ist eigentlich Herbst. Doch nach der Regenzeit liegt in den Bolivianischen Anden meist ausreichend Schnee um in einsamer Landschaft traumhafte Schitouren unternehmen zu können.

Am 11.4. war es soweit. Via München, Madrid und Santa Cruz fliegen wir nach El Alto / La Paz. Wir, das sind 6 Alpenrautler und 5 Bergkollegen aus Osttirol.

In La Paz beginnt unser Akklimatisation aufgrund der Höhenlage bei einer Stadtrundfahrt. Tags darauf fahren wir zum Titicaca-See um auf rund 4000 m bei einer Wanderung auf der Sonneninsel unsere Akklimatisation fort zu setzen. Nach einer Übernachtung am Titicaca-See samt traumhaften Sonnenuntergang vor der Siluette der Cordillera Real fahren wir über das Altiplano – die Bolivianische Hochebene – wieder zurück nach La Paz.

Dann geht es endlich ab in die Berge. Die erste Akklimationstour führt uns in die Cordillera Real, auf den Zongo Pass. Gegenüber dem mächtigen Huayna Potosi (6080 m) besteigen wir den Cerro Charquini (5250 m). Erstmals begleitet uns dabei Sergio Condori unser Local Guide. Da der Firn einige von uns zu einer Fleißaufgabe animiert fahren wir zunächst ostseitig ein Stück ab um dann nach erneuten Aufstieg zum höchsten Punkt über den Gletscher zu den wartenden Geländewägen zurück zu gleiten, die uns wieder zurück nach La Paz bringen.

Am nächsten Morgen geht es wieder von La Paz in die Königs Cordillere, diesmal mit dem Bus in die Condoriri Gruppe. Beim Aufstieg zum Lager an der Laguna Chiarkhota nehmen ein Teil von uns den Umweg über den Pico Austria (5350 m) und wird mit einem traumhaften Ausblick auf den Condoriri  – mitsamt seinem Kopf und den beiden Schwingen – belohnt. Mit Maultieren und Eseln wird derweil unser Gepäck ins Base Camp gebracht. Ein 3-köpfiges Küchenteam verwöhnt uns kulinarisch. Früh Morgens steigen wir am nächsten Tag auf den Pico Tarija (5230 m) und einige aus der Gruppe überschreiten diesen um bei super Verhältnissen mit Steigeisen und Pickel auf den traumhaft schönen Gipfel Pequeno Alpamayo (5370 m) zu gelangen. Am Pico Tarija zurück gleitet unsere Gruppe gemeinsam im herrlichen Firn wieder hinab ins Base Camp um nach dem Abstieg zum Bus wieder zurück nach La Paz zu gelangen.

Nach einem Rasttag in La Paz ist unser nächstes Ziel süd-östlich der Stadt die mächtige Gletscherrampe des Nevado Mururata (5864 m). Nach der Anreise mit 2 Kleinbussen steigen wir von ca. 4200 m zu unserem Lager direkt an der Gletscherzunge auf ca. 5000 m auf. Abermals werden wir von den Tragtieren unterstützt und perfekt versorgt. Am nächsten Morgen zeigt uns die langgezogene Querung zum Gipfel, dass  die Luft auf über 5800 m doch deutlich dünner ist als bei uns in den Alpen. Gegenüber thront der Illimani (6439 m) – der 2. Höchste Berg Boliviens – mit seien 3 Gipfeln. Wieder können wir uns aber alle gemeinsam über den Gipfelerfolg freuen und die Abfahrt über den flachen und wunderbar auf gefirnten Gletscher genießen. Die Busse bringen uns zurück in unser Base Camp in La Paz.

Bereits am nächsten Morgen geht es im Geländewagen nach Südwesten in die Cordillera Occidental. Direkt am Rande der Atacama Wüste liegt an der Chilenischen Grenze der Vulkan Parinacota (6342 m) in unmittelbarer Nachbarschaft seines Zwillingsvulkan Pomerate (6240 m) und dem höchsten Berg Boliviens dem Sajama (6542 m). In der Ortschaft Sajama beziehen wir unser Lager in einer Lodge. Um 4 Uhr Morgens sitzen wir wieder im Auto und fahren bis auf 5100 m zum Sattel Paso Payachata der zwischen den beiden Vulkanen liegt. Von dort steigen wir die ca. 30 – 35° steile Flanke bis an den Kraterrand hinauf. Der Ausblick am Gipfel ist unbeschreiblich. Senkrecht fällt in das innere des Vulkans der Krater hinab. Beeindruckt von dieser Kulisse umrundet ein Teil der Gruppe den Krater (ca. 1500 m Wegstrecke). Das schönste ist für alle aber gemeinsam den Gipfel des Dachs unserer Schitourenexpedition genießen zu können. Nicht ganz so ist es bei der Abfahrt. Die südamerikanische Sonne hat der herrlichen Flanke Büßerschnee beschert, den wir in dieser Form nur aus Lehrbüchern kannten. Trotzdem wir mit einer Abfahrtsvariante auf der Ostseite dieses Problem zu umgehen versuchten war die Abfahrt definitiv besch… .Von Sajama ging es dann unmittelbar wieder retour nach La Paz wo der 2. Ruhetag auf uns wartete.

Für den letzten angestrebten Gipfel starteten wir wieder früh am Tag mit einem Bus. Es ging wieder nach Norden in die Cordillera Real. In Alto Cruz Pampa (4400 m) war die Fahrt zu Ende und zu Fuß ging es über ein Hochtal knapp 10 km bis in das Base Camp, von wo wir aber gleich weiter auf das Hochlager auf 5200 m  – direkt am Gletscher – stiegen, um dort unser Lager zu beziehen. Am nächsten Morgen starteten wir gestaffelt – die schelle Gruppe durften den warmen Schlafsack länger auskosten – über den gestuften, spaltenreichen Gletscher zum Gipfel. Dieser stellte sich zu unser aller Überraschung als herrlicher Grat heraus, den wir dann auch noch mit Schi befahren konnten. Auch auf unserem letzten Gipfel konnten wir das Gipfelfoto alle gemeinsam schießen – 100% Erfolgsquote so schön kann eine gemeinsame Schitouren Expedition in den Anden sein. Nicht minder schön war dann die Abfahrt zurück zum Hochlager. Niederschlag beim Aufstieg am Vortag hatte für etwas Pulver gesorgt, den wir genossen und der uns die Erfahrung mit dem Büßerschnee vergessen ließ. Der lange Rückweg zum Bus war mühsam aber mit dem Erfolg alles angepeilten Gipfel erreicht zu haben leicht zu ertragen. Am Abend waren wir bereits wieder zurück in unserem Hotel.

Eine Schitouren Expedition in die Bolivianischen Anden ist allen die unberührte Gipfel in einer gänzlich anderen Umgebung suchen ein absoluter Geheimtipp. Es dürfte wohl auch kaum Regionen geben, in denen man in so kurzer Zeit so viele verschiedene hohe Berge besteigen kann. Wir wurden durch die perfekte Organisation vor Ort durch Michael Dirninger mit seinen Anden Expeditions und unserem Bergführer Sergio – übrigens ein hervorragender Schifahrer – ideal unterstützt. Für uns war diese Expedition ein unvergleichliches Erlebnis

Der letzte Tag vor der Abreise war eigentlich als Reservetag gedacht – wir haben aber auch den noch ausgiebig genutzt. Bei einer Bike Tour auf der gefährlichsten Straße der Welt haben wir auch ein anderes Bolivien kennen gelernt. 3800 Hm im Downhill von ca. 4800 m (Cumbre Pass) hinab auf ca. 1000 m (Coroico): beinahe alle Klimazonen Südamerikas werden dabei durchfahren. Vom karg bewachsenen Altiplano hinunter in den feuchten grünen Regenwald, auf einer Strada del Muerte, die von den 30-er Jahren bis 2007 die einzige Verbindung von La Paz in den Norden Boliviens war – obwohl 2-spurig teilweise nur 2,5 m breit, direkt am steilen Abhang – und unzählige Verkehrsopfer gefordert hat.

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